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Die Jacobi-Theorie:  Anfang der siebziger Jahre befasste sich der Mainzer Stadtarchitekt und Stadtbildpfleger Hans Jörg Jacobi mit dem Nibelungenschatz. Im Nibelungenlied hieß es "da zem Loche", habe Hagen das Gold der Burgunden versenkt. Der Eigenname „Loche wurde von Jacobi als Lochheim interpretiert. Im Mittelhochdeutschen wurden nur Eigennamen großgeschrieben. Auf einer alten Flusskarte entdeckte Jacobi einen Ort namens Lochheim, der ungefähr 15 Kilometer nördlich von Worms lag und im 13. Jahrhundert durch ein Hochwasser vernichtet wurde. Dort an dieser Stelle, die schwarzer Ort genannt wird, macht der Rhein eine 180-Grad-Schleife. Neueste geologische Erkenntnisse bestätigen, dass der Schatz der Nibelungen heute, dank Rheinbegradigung auf dem Land, unter der Erde liegen muss.  Jakobi ließ auf dem fraglichen Gelände eine Bodenbohrung durchführen. In zehn Metern Tiefe traf der Bohrmeisel auf ein hartes Objekt. Es gelang Teile davon an die Erdoberfläche zu fördern. Untersuchungen ergaben, dass es sich um Marmor handelt, der aus Belgien stammt. Jacobi nimmt an, " das der Schatz mit einer Marmorplatte oder einem Marmorblock abgedeckt wurde". Wie aber kommt die Abdeckung über den Schatz, wenn dieser im Rhein versenkt wurde. Interessante Frage. Vom Schatz selbst fand Jakoby übrigens nichts. Weitere Grabungen wurden bisher vom Eigentümer des Geländes, einem Golfclub untersagt. 

Gegenargument:  Warum hätte Hagen den Schatz ausgerechnet an der tiefsten Stelle im Rhein versenken sollen, wenn es im Nibelungenlied doch heißt:  "Er hoffte, sie könnten ihn eines Tages wieder nutzen". Der Hort wäre unwiederbringlich verlorenStockstadt und Erfelden auf einer Karte aus dem Jahr 1738, Urheberschaft: Peter Fehr [Public domain], via Wikimedia CommonsStockstadt und Erfelden auf einer Karte aus dem Jahr 1738, Urheberschaft: Peter Fehr [Public domain], via Wikimedia Commons gewesen. Genau dies jedoch sollte mit der Verbringung verhindert werden. Es ist kaum anzunehmen, dass die Burgunder über die technischen Voraussetzungen für komplizierte Unterwasserbergungen verfügt haben. Bergungsarbeiten, die uns auch heutzutage in solchen Flussgewässern noch vor große technische Probleme stellen. Auch wenn sich der Rheinverlauf nachweislich im Laufe der Jahrhunderte geändert hat, und man auch weiß das der Schatz wenn überhaupt, heute auf Land liegen muss, ist dem entgegenzuhalten, das die 180-Grad Rheinschleife schon zur Römerzeit bestand. Vor der Rheinregulierung hat sich der Fluss sein Bett noch selbst gesucht, musste aber aufgrund der  geologischen Gegebenheiten an der Rheinschleife schon immer um 180-Grad abbiegen. Der Aufprall der Wassermassen hat dazu geführt, dass der Fluss an dieser Stelle an seinem rechten Ufer eine außerordentliche Untiefe (ca. 20 m) auswusch, die Schwarzer Ort genannt wurde. Hinter der Untiefe entstand ein Prallhang hinter dem der Rhein nicht geflossen sein kann. Der Schwarze Ort galt wegen der starken Strömung unter Schiffern als gefährlich. Wenn Hagen den Schatz an dieser Stelle im Rhein versenkte, dann müsste er noch dort liegen. Taucher haben den betroffenen Flussabschnitt mehrmals mit elektroakustischen Geräten bzw. funkgestützte Ortung (Echolot und Radar) ausgelotet, jedoch nichts gefunden. Außerdem wären bei einer Versenkung im Hauptstrom mit Sicherheit dann und wann verschiedene Stücke wieder aufgetaucht. So z.B. der Fall beim Silberschatz des bayrischen Kurfürsten Maximilian I, der seit dem 28. Mai 1648 verschollen ist. Der Schatz versank bei einem Schiffsunglück im Inn. Einzelne Teile davon wurden im Jahr 1925 unterhalb des Unglücksortes gefunden. 1929 wurden weitere Teile (2 schwere Silberteller) fast 1 Km unterhalb des ursprünglichen Unglücksortes gefunden und das obwohl der Silberschatz für den Transport in Kisten verpackt war. Jakobys Lochheim wird erstmals im Jahr 770 als "uilla Locheim" im Lorcher Codex erwähnt. Eine andere historische Namensgebung aus dem Jahr 792 lautet "superiori Locheim (Ober-Lochheim)". Doch Lochheim liegt ziemlich abseits der als schwarzer Ort bekannten Rheinschleife. Die Orte Erfelden oder Stockstadt liegen wesentlich näher an der Rheinschleife. Wenn der Versenkungsort tatsächlich hier gewesen sein soll, hätte der Verfasser des Nibelungenliedes wahrscheinlich einen dieser Orte erwähnt und nicht Lochheim. Das heute noch exitierende Erfelden wird erstmals 779 n. Chr. urkundlich im Lorscher Codex anlässlich einer Stiftung an das Kloster Lorsch als Dorf „Erifeldun“ erwähnt. Desgleichen der heute auch noch existierende Ort Stockstadt, im Lorscher Codex wird Stockstadt 830–850 erstmals als "Stochestat" urkundlich erwähnt. Als das Nibelungenlied im 10. Jahrhundert verschriftlicht wurde, existierten beide Orte schon. Der Verfasser des NIbelungenliedes hätte sie also kennen können und sicher erwähnt.

Mittelalterl. Gaue mit altem und neuem Rheinlauf, Urheberschaft: von Edmund Ritscher (Detailvergrößerung, eigene Bearbeitung) [CC0], via Wikimedia CommonsMittelalterl. Gaue mit altem und neuem Rheinlauf, Urheberschaft: von Edmund Ritscher (Detailvergrößerung, eigene Bearbeitung) [CC0], via Wikimedia CommonsDie Siegert-Theorie: Helmut Siegert aus Walldorf ist ein passionierter Wünschelrutengänger. Als er begann sich mit der Nibelungensage zu befassen, wollte er zunächst anhand der topographischen Nachweispunkte versuchen die Örtlichkeit an der der Schatz versteckt sein könnte, einzugrenzen. Wenn Hagen den Schatz mit der Absicht wegbrachte, sich ihn später selbst anzueignen, dann hätte er logischerweise eine Stelle gewählt, die er kannte und unter Kontrolle hatte, also leicht erreichen konnte. Nach Siegerts Theorie musste der Ort der Verbergung aus strategischen Gründen also nicht zu weit von Worms entfernt liegen, und in der Nähe sollte eine Burg vorhanden gewesen sein. Außerdem mussten die anderen im Nibelungenlied genannten Örtlichkeiten in akzeptabler Entfernung aufzufinden sein. Etwa vier Kilometer rheinabwärts fand Siegert da wo das Flüsschen Weschnitz in den Rhein mündet, die Überreste einer Burg, die ehemalige Festung Stein auch "Zullestein"  genannt. Die Reste der Burg liegen in der Nähe des heutigen Rheinufers, südlich der Weschnitzmündung und stehen unter Denkmalschutz. Nachforschungen ergaben, das sich an dieser Stelle ein römisches Hafenbecken unter der Erde befand, welches angeblich auch von den Burgunden genutzt worden war. Dieses Hafenbecken konnte nach Bedarf geflutet oder trockengelegt werden. Auch den im Nibelungenlied genannten Waschemwald konnte Siegert lokalisieren. Das Flüsschen Weschnitz hatte in früheren Zeiten Waschnitz, bzw. Wasche geheißen. Daraus ließ sich ableiten, dass das gesamte Hinterland, das in früher Zeit sicherlich bewaldet war, als Waschemwald bezeichnet wurde. Auf einer alten topographischen Karte fand er wenige Kilometer von der Weschnitz entfernt,  zwei kleine Wasserlöcher die mit  Altloch und Neuloch bezeichnet wurden. Siegert brachte diese Flurbezeichnungen mit der Bezeichung Loche aus dem NIbelungenlied in Verbindung. Wichtigstes Indiz für seine Theorie war jedoch ein größeres Edelmetallvorkommen bei der ehemaligen Festung Stein, das er angeblich mit seiner Wünschelrute geortet haben will. Das mag man glauben oder nicht.  Da ihm dort aber Probebohrungen von den zuständigen Behörden für Denkmalschutz verweigert wurden, ist er den endgültigen Beweis, dass er den Nibelungenschatz entdeckt hat, bis heute schuldig geblieben.

Gegenargument: Es spricht zwar manches für diese Theorie, nicht zufriedenstellend beantworten konnte Siegert aber die Frage was mit der entscheidendenStrophe im Nibelungenlied: „Er sancte in da ze Loche allen in den Rin“ gemeint war. Sein Argument, mit da ze Loche seien zwei kleine Teiche, das Altloch und das Neuloch bei Groß-Rohrheim gegenüber von Worms gemeint, ist nicht überzeugend.

Die Patzwald-Theorie: Nach Meinung des Nibelungenforschers Rudolf Patzwald, war mit da ze Loche allen in den Rin kein Ort Lochheim am Rhein gemeint. Jahrelang studierte Patzwald alte Feld- und Flurnamen, sichtete altes Kartenmaterial. So kam er zu der Erkenntnis dass das heutige Worms nicht das Worms der Sage ist. Nach seiner These handelt es sich vielmehr um Wormersdorf, etwa 20 Km von Bonn entfernt.  Mit dem „Loche“ sei dann nämlich der Rheinbacher Ortsteil Loch gemeint. Beim Studium der Karten stieß Patzwald auf die alte Flurbezeichnung „Unten in dem Loche“ und eine weitere Flur die man „Auf den Höhlen“ nennt. Hieraus schloss er auf ein Höhlensystem, in dem der Nibelungenschatz verborgen sein könnte. Beweise für seine Theorie fand er vor Ort. So traf er dort einen ehemaligen Bergmann, hinter dessen Haus tatsächlich Eingänge zu einem unterirdischen Höhlensystem existierten. Das alles bestärkte ihn in seiner Theorie, dort könnte tatsächlich der Nibelungenschatz verborgen sein. Gegraben hat dort aber noch keiner.

Gegenargument: Wormersdorf wurde erst im 9. Jahrhundert besiedelt. Es gibt auch weder schriftliche Quellen noch archäologische Funde, die darauf hindeuten könnten, das sich im Raum von Wormersdorf und Rheinbach jemals Burgunder aufgehalten haben. Gegen seine Theorie spricht auch, das Wormersdorf im Gegensatz zu Worms keinerlei geschichtliche Bedeutung hatte. Auch sind auf der topographischen Karte dieser Gegend keine Höhlen ausgewiesen.

Und zu guter Letzt gibt es noch die Rädle-Theorie.  Klaus Rädle identifiziert Lochem im Nibelungenlied als den ausgegangenen Ort Lochheim bei Sandhausen. Diese recht neue Theorie erscheint auf den ersten Blick wenig realistisch. Gegen Lochheim bei Sandhausen spricht, dass es unter Berücksichtigung der damaligen Verhältnisse ca. 37 km von Worms entfernt liegt. Das Schatz-Versteck liegt damit eigentlich zu weit weg für Hagen, der den Schatz in Abwesenheit der Burgunder-Könige raubte, um ihn zu verstecken. Da die Könige jederzeit zurückkehren konnten, muss man dem listigen Hagen wohl unterstellen, dass er den Schatz schnell und auf kürzestem Weg verstecken wollte. Auf den zweiten Blick wird jedoch deutlich, das Lochheim bei Sandhausen gar nicht so unrealistisch ist. Diese Theorie wird auch vom Autor dieser Recherche favorisiert, die er bereits im Jahr  2008 schon einmal auf einer anderen nicht mehr aktiven Website veröffentlicht hatte.